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Wiederaufbau des Jan-Baczewski-Hauses in Rangsdorf

Dringlichkeitsantrag der Kooperation zur Kreistagssitzung am 28. März 2011

Beschlussvorschlag:

Der Kreistag Teltow-Fläming fordert die untere und die obere Denkmalschutzbehörde als auch die Landesregierung auf, sich dafür einzusetzen und zu intervenieren, dass das „Baczewski-Haus“ in Rangsdorf den Denkmalstatus nicht verliert und der Wiederaufbau ermöglicht und möglicherweise auch erzwungen wird.

Sachverhalt:

Der in Ostpreußen geborene Jan Baczewski war im 1. Drittel des 20. Jahrhunderts ein wichtiger Vertreter der polnischen Minderheit im Staat Preußen und im Deutschen Reich. Er war Mitglied im Preußischen Landtag, hat in dieser Funktion das wichtige „Schulgesetz“ für die polnischen Schulen durchgesetzt und zum Bau zahlreicher Schulen beigetragen. Er war einer der bekanntesten Vertreter der polnischen Minderheit im Deutschen Reich, der sich sowohl für die Integration der Polen als auch für den Erhalt der kulturellen Selbständigkeit der polnischen Minderheit einsetzte. Im September 1939 wurde das 1927 erbaute Haus enteignet und Jan Baczewski ins Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt. In der DDR ist die Enteignung nicht rückgängig gemacht worden. Die Kinder und Enkelkinder bemühten sich um Rückgabe, das Haus wurde an den Sohn des Jan Bacewski nach der deutschen Wiedervereinigung in schlechtem Zustand rückübereignet, worauf dieser, gesundheitlich sehr geschwächt, kurz vor seinem Tod, es dann weiterveräußerte. Später wurde das Haus von den Denkmalschutzbehörden des Land Brandenburg unter Denkmalschutz gestellt.

Aus nach wie vor ungeklärten Umständen, vermutlich ein technischer Defekt, brannte das unter Denkmalschutz stehende Haus, das seit zwei Jahren einem Berliner Privatbesitzer gehörte, ab. Schon vor dem Brand, aber insbesondere nach dem Brand, entstanden um das Haus als gesellschaftspolitisches Denkmal politisch-öffentliche Diskussionen und Kontroversen. Die untere und die obere Denkmalschutzbehörde sind der Auffassung, dass der verbliebene Baukörper nicht mehr sanierungs- und wiederaufbauwürdig ist, weil vom Originalgebäude beim Wiederaufbau nur wenig übrigbliebe.

In diesem Zusammenhang ist aber zu bedenken, dass das Haus nicht als Baudenkmal wegen seiner besonderen architektonischen Form unter Denkmalschutz gestellt wurde (vgl. Brecht-Haus in Buckow), sondern als Lebensstätte und Wohnort ein gesellschaftspolitisches Denkmal für Jan Baczewski darstellt. Insofern ist die Argumentation über prozentuale Originalsubstanz neben der Bedeutung der bloßen Existenz des Gebäudes zu vernachlässigen. Wenn das Gebäude originalgetreu wieder aufgebaut wird, was wegen der bestehenden Brandschutzversicherung möglich ist, wird, ohne dass es den Eigentümer finanziell belastet, dem Denkmalzweck, nämlich der Würdigung der Person Jan Baczewski, genüge getan. Es gibt vergleichbare Beispiele der vollständigen Vernichtung von Gebäuden, Wohn- und Wirkorten mit Denkmalstatus, die wiedererrichtet worden sind. Bei Beibehaltung des Denkmalschutzstatus kann und muss die Brandschutzversicherung den Aufbau komplett finanzieren. Die Landesbehörden können dann auch den Aufbau gegenüber dem Eigentümer anordnen. Dem Eigentümer, der das Objekt ja sogar in einem wesentlich schlechteren Zustand gekauft hat, entsteht kein unzumutbarer Schaden, im Gegenteil. Es kann nicht im Interesse des Land Brandenburg und des Landkreises Teltow-Fläming sein, auf diesem Grundstück Baufreiheit für eine andere Baumaßnahme zu schaffen.

Sollte der Denkmalschutzstatus widerrufen werden und dem Abrissgesuch des jetzigen Eigentümers nachgekommen werden müssen, steht ernsthaft zu befürchten, dass es zu politischen Verwicklungen und Spannungen im deutsch-polnischen Verhältnis kommt. Auch in Deutschland ist durch die Zuwanderung nach 2004, insbesondere im Land Brandenburg, die polnische Community sichtbar gewachsen, und ihr Interesse an Kulturerbe der ehemaligen Deutsch-Polen und der ehemaligen polnischen Minderheit ist sehr hoch. Aus diesem Grunde ist es geboten, einzugreifen und zu intervenieren. Der Eigentümer ist frei, das wiederaufgebaute Baczewski-Haus zu bewohnen oder zu veräußern.

Begründung der Dringlichkeit:

Wie in der 10./11. Kalenderwoche bekannt wurde, soll das in der Nacht vom 22. zum 23. Juli 2010 abgebrannte Jan-Baczewski-Haus den Status als Denkmal verlieren und dem Abriss anheimgegeben werden.


Konni Wehlan im Kreistag:

- Kreisausschuss (stellv. Vorsitzende)

- Jugenhilfeausschuss (stellv. Mitglied)
- Ausschuss für Landwirtschaft und Umwelt (stellv. Mitglied)
- Verbandsversammlung beim Zweckverband der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam (stellv. Mitglied)

- Verbandsversammlung des Sübrandenburgischen Abfallzweckverbandes (SBAZV) (stellv. Mitglied)

Die Kooperation:

Die Vereinbarung zur Zusammenarbeit im Kreistag in der IV. Wahlperiode zwischen SPD/Grüne, DIE LINKE. und FDP/Bauernverband als pdf-Datei

Kommunalwahl 2008:

Unser Wahlprogramm zum Kreistag als pdf-Datei.