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Gedenken und Gedanken zum Volkstrauertag 2015

Zum diesjährigen Volkstrauertag fand das Gedenken des Landkreises Teltow-Fläming und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. gemeinsam mit der Stadt Luckenwalde auf dem Waldfriedhof in Luckenwalde statt. Neben Landrätin Kornelia Wehlan waren auch Vertreterinnen und Vertreter des Kreistages und der Stadtverordnetenversammlung Luckenwalde an den Gedenkstätten der deutschen Kriegsopfer, dem Gräberfeld Mohrungen und dem sowjetischen Ehrenfeld zugegen.

Worte des Gedenkens sprachen u. a. der Vorsitzende des Kreistages, Dr. Gerhard Kalinka, und die Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Luckenwalde, Dr. Heidemarie Migulla. Im folgenden möchten wir ihre Rede wiedergeben, der, so finden wir, nichts mehr hinzuzufügen ist.

"Drei Minuten Gehör will ich
von euch, die ihr arbeitet!
Von euch, die ihr den Hammer schwingt,
von euch, die ihr auf Krücken hinkt.
Von euch, die ihr die Feder führt,
von euch, die ihr die Kessel schürt.
Von euch, die mit den treuen Händen
dem Manne ihre Liebe spenden –
von euch, den Jungen und den Alten:
Ihr sollt drei Minuten inne halten.
Wir sind ja nicht unter Kriegsgewinnern.
Wir wollen uns einmal erinnern.

Die erste Minute gehöre dem Mann.
Wer trat vor Jahren in Feldgrau an?
Zu Hause die Kinder – zu Hause weint Mutter ...
Ihr: feldgraues Kanonenfutter!
(...)
Ihr wurdet geschliffen. Ihr wurdet gedrillt.
Wart ihr noch Gottes Ebenbild?
Ihr wart des Todes billige Ware ...
So ging das vier lange blutige Jahre.
Erinnert ihr euch?

(...)

Die zweite Minute gehöre der Frau.
Wem wurden zu Haus die Haare grau?
Wer schreckte, wenn der Tag vorbei
in den Nächten auf mit einem Schrei?
(...)
Wem schrieben sie einen kurzen Brief,
dass wieder einer in Flandern schlief?
(...)
Tränen und Krämpfe und wildes Schrein.
Er hatte Ruhe. Ihr wart allein.
Oder sie schickten ihn, hinkend am Knüppel,
euch in die Arme zurück als Krüppel.
So sah sie aus, die wunderbare
große Zeit – vier lange Jahre ...
Erinnert ihr euch?

Die dritte Minute gehört den Jungen!
Euch haben sie nicht in die Jacken gezwungen!
Ihr wart noch frei! Ihr seid heute frei!
Sorgt dafür, dass es immer so sei!
An euch hängt die Hoffnung. An euch das Vertraun
von Millionen deutschen Männern und Fraun.
Ihr sollt nicht strammstehn, ihr sollt nicht dienen!
Ihr sollt frei sein! Zeigt es ihnen!
Und wenn sie euch kommen und drohn mit Pistolen –
Geht nicht! Sie sollen euch erst mal holen!
(...)
Ihr seid die Zukunft! Euer das Land!
Schüttelt ihn ab den Kriegsverstand!
Wenn ihr nur wollt, seid ihr alle frei.
Euer Wille geschehe, seid nicht mehr dabei!
Wenn ihr nur wollt: bei euch steht der Sieg!

Nie wieder Krieg!

Kurt Tucholsky, "Drei Minuten Gehör"

Sehr geehrte Anwesende,

wir alle wissen, dass die Mahnung, dieser Appell Tucholskys nicht in Erfüllung ging. 21 Jahre nach dem Ende des 1. Weltkrieges, in dem fast 10 Millionen Menschen ihr Leben lassen mussten, entfesselten die Nationalsozialisten den 2. Weltkrieg, der mit über 50 Millionen Toten und unvorstellbarem Leid der betroffenen Völker einen, wenn nicht gar den Tiefpunkt der Menschheitsgeschichte darstellte.

70 Jahre sind seit dem Ende des 2. Weltkrieges im Mai 1945 vergangen, 70 Jahre - fast ein ganzes Menschenleben! Sollte man da nicht aufhören, immer wieder an die Gräueltaten, die Toten und das Leid zu erinnern und Gedenkstunden wie am heutigen Volkstrauertag zu begehen? Nein und nochmals nein!

Markus Meckel, Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., fragt in seinem Geleit zum Volkstrauertag: 'Sind wir also, wenn wir der Kriegstoten des 20. Jahrhunderts gedenken, in einer weit zurückliegenden Vergangenheit, die uns ohne Berührungspunkte zum Hier und Jetzt nicht mehr ängstigen muss? Die Schreckensbilder in den Abendnachrichten machen deutlich, dass die Welt auch heute nicht vom Frieden regiert wird und Menschen nach wie vor unter Hunger, Krieg und Verfolgung leiden.' Die terroristischen Übergriffe und die Toten von Paris machen deutlich, dass Krieg und Gewalt nicht irgendwo, weit weg von uns in einer anderen Welt stattfinden. Millionen Menschen auf der ganzen Welt sind auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und Elend. Und noch immer werden mit der Herstellung und Lieferung modernster Waffen Milliardengeschäfte gemacht.

Wir sind es den Toten, den Gemarterten, den Verfolgten schuldig, sie nicht zu vergessen und uns im Hier und Jetzt einzusetzen für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt.

'Wenn ihr nur wollt, bei euch steht der Sieg.
Nie wieder Krieg!' "

Text und Fotos: Felix Thier