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Interview der Linksjugend ['solid] Brandenburg mit der Landratskandidatin der Partei DIE LINKE. im Landkreis Teltow Fläming, Kornelia Wehlan

Interview geführt von Tina Lange am 3. April 2013

Konni, wenn du die erste Landrätin der LINKEN in Brandenburg werden würdest, was würdest du tun, um Jugendlichen in Teltow-Fläming Perspektiven auch nach der Schulausbildung zu geben?

Eine solide Grundlage für die Perspektive von Schulabgängern ist ein Schulabschluss. Wir haben zwar im Landkreis Projekte, die einen Teil der Jugendlichen ohne Abschluss und Schulverweigerer auffangen, besser wäre jedoch, dazu würde es gar nicht erst kommen. Deshalb setze ich mich dafür ein, dass jedes Kind und jeder Jugendliche, angefangen von der frühkindlichen über die Schul- und Berufsausbildung die gleiche Chance auf Bildung hat. Das kann ein Kreis nicht allein – hier sind Bund und Land gefordert. Und dann sollte Schule mehr als bisher mit dem praktischen Leben verbunden sein. Die in unserem Landkreis tätigen Unternehmen möchte ich motivieren, noch enger mit Schulen zusammenzuarbeiten, wir haben schon gute Beispiele im Kreis.
Jugendliche mit einem Schulabschluss haben in Teltow-Fläming gute Perspektiven. Die Zahl der Ausbildungsplätze ist gewachsen. Gerade im Handwerk besteht ein Bedarf, der nicht einmal gedeckt werden kann. Es ist aber nötig, für kleine Unternehmen und Handwerksbetriebe, die Voraussetzungen noch zu verbessern, damit sie ausbilden können, z.B. durch Verbundlösungen.
Perspektive im Landkreis haben bedeutet auch, sich an den Berufsbildern der hier ansässigen Betriebe zu orientieren. Aber auch Universitätsabsolventen werden gesucht. Ingenieure, Ärzte werden hier vor Ort gebraucht. Ich werde mich dafür engagieren, dass Jugendliche ein breites Spektrum an Möglichkeiten kennenlernen können.
Dass das Lohnniveau für Lehrlinge als auch für Fachkräfte immer noch nicht auf Westniveau ist, ist ein Problem, das nur in Verbindung mit Gewerkschaften und bundesweit gelöst werden muss. Ich unterstütze das inhaltliche Anliegen.

Die Kommunen reduzieren überall ihre Ausgaben für Jugend- und Kulturprojekte. Was kann eine LINKE Landrätin da anders machen?

Das bestehende Niveau muss gehalten werden, auch wenn den Kreis immense Schulden drücken. Streichungen gibt es mit mir nicht. Zuwächse kann niemand versprechen, auch ich nicht. Deshalb werden wir immer versuchen müssen, Fördertöpfe von Bund und Land „anzuzapfen“. Und ich werde den Dialog mit den Kommunen führen, um auf die Erhaltung der Angebote hinzuwirken. Denn der Kreis kann nicht jede Leistung ausgleichen, die Kommunen nicht erbringen, obwohl sie es aufgrund ihrer Haushaltslage könnten. An Entscheidungen, wohin Mittel fließen, sollten Bürgerinnen und Bürger und insbesondere Jugendliche beteiligt werden. In Luckenwalde und Jüterbog gibt es dafür den Bürgerhaushalt.

Was würdest du als erste weibliche Landrätin überhaupt in Brandenburg speziell für Frauen tun?

Ich will mich einsetzen für die gleichberechtigte Teilhabe auf allen Ebenen: Bei der Besetzung von Stellen und Gremien und vor allem Leitungspositionen wird die Verwaltung konkret begründen müssen, warum an Stelle einer Frau ein Mann zum Zuge kommen soll. Und wir brauchen eine gute Kinderbetreuung um Beruf und Familie gut vereinbaren zu können und den Zugang am Arbeitsmarkt für Frauen zu sichern. Dazu gehört auch die Förderung von Arbeit für Mädchen in neuen Berufsfeldern. Besonders liegt mir die Stärkung der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten am Herzen. Wir brauchen diese Mittler, denn Frauen müssen sich besser vernetzen. Ich habe mir vorgenommen, mit allen Initiativen und Vereinen sehr schnell das Gespräch zu suchen. Leider ist Gewalt gegen Frauen immer noch ein Thema. Ich werde Beratungsangebote und Hilfen bis hin zum Frauenhaus unterstützen und entwickeln und das gemeinsam mit den Städten und Gemeinden.

Der Kampf gegen Rechts bleibt ein hochaktuelles Thema. Wie kann Teltow-Fläming im Kampf gegen Rechts besser werden?

Das demokratische Wirken der Zivilgesellschaft im Schul-, Ausbildungs-, Arbeits- und Lebensumfeld ist der wirksamste Kampf gegen Rechts, denn es müssen alle Lücken geschlossen werden, um zu verhindern, dass rechte Organisationen und ihr Gedankengut versuchen bei uns einzudringen. Und dafür haben öffentliche Verwaltungen und Institutionen sowie Parteien eine besondere Verantwortung. Der Landkreis nutzt bereits vielfältige Möglichkeiten und unterstützt aktiv Initiativen gegen Rechts. Genannt sei der Lokale Aktionsplan Teltow-Fläming gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus, die Bürgerinitiative „Zossen zeigt Gesicht“, das Rockfestival gegen Rechtsextremismus in Dahme/Mark.

Ein zweiter wichtiger Aspekt ist Bildung und Aufklärung. Was wir besser machen müssen, ist ein stetiges Bildungsangebot und Ansprechpartner, damit Kinder und Jugendliche nicht den scheinbar einfachen Lösungen auf den Leim gehen. Hier leisten viele kleine Initiativen, wie der KLAB in Luckenwalde, die Schulsozialarbeiter, die Initiative Tolerantes Brandenburg, die mobilen Beratungsteams, das Aktionsbündnis Brandenburg, die Amadeu-Antonio-Stiftung in Zusammenarbeit mit den Bürgerinitiativen und den Gemeinden vor Ort auch in unserem Landkreis eine gute Arbeit. Sie werde ich uneingeschränkt unterstützen. Um den Rechtsextremismus wirksam zu bekämpfen, werde ich mich auch weiterhin für die Vernetzung der vorhandenen Akteure, insbesondere auf lokaler und regionaler Ebene einsetzen, wie für das kreisweite „Netzwerk für Demokratie“.

Eine letzte Frage haben wir noch an dich, Konni: Das erste Mal in der Geschichte Brandenburgs dürfen dich schon 16-jährige mitwählen. Warum sollten sie dich am 14. April unbedingt wählen?

Hier vor Ort ist Heimat, für die ich einstehe. Und deshalb bin ich seit 23 Jahren mit großer Leidenschaft Kommunalpolitikerin, in der SVV Luckenwalde und im Kreistag Teltow-Fläming. In dieser Zeit habe ich mir ein umfangreiches Wissen aneignen können, besonders in den Bereichen Gesundheit und Soziales, Finanzen und kommunale Gesellschaften. Ich bin von hier und kenne mich im Kreis gut aus. Unternehmer, Handwerker, Bürgermeister, Vereine, einzelne Bürger haben bei mir immer ein offenes Ohr gefunden. Das wird so bleiben. Das Wichtigste ist, dass Jugendliche wählen gehen und damit auch die politischen Schwerpunkte mitbestimmen. Der Kreis als „Mittelding“ zwischen Land und Kommune ist vielen Jugendlichen ein unbeschriebenes Blatt. Aber Jugendförderung, Mobilität und Schule sind gerade hier verankert. Da sollten Jugendliche genau hinsehen und eben deshalb von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Fragen: Tina Lange