Landkreis und Kommunen präsentieren Finanzminister Markov gemeinsames Nutzungskonzept für Militärliegenschaft Kummersdorf-Gut
Carsten Preuß zum Besuch des stellv. Ministerpräsidenten und Finanzministers Brandenburgs, Dr. Helmuth Markov, in unserem Landkreis
Carsten Preuß zum Besuch des stellv. Ministerpräsidenten und Finanzministers Brandenburgs, Dr. Helmuth Markov, in unserem Landkreis
Finanzminister Dr. Helmuth Markov (DIE LINKE) besuchte am Donnerstag auf Einladung der Landtagsabgeordneten Kornelia Wehlan (DIE LINKE) die ehemalige Militärliegenschaft Kummersdorf. An dem Termin nahmen auch die Vertreter der Projektgruppe „Dokumentations- und Forschungszentrum Kummersdorf-Gut (DFK)“ teil. Begrüßt wurden die Gäste durch die stellvertretende Landrätin Kirsten Gurske (DIE LINKE).
Zweieinhalb Stunden reichen eigentlich nicht, um sich ein Bild von der Vielfältigkeit des 3.500 ha großen Geländes zu machen. Dennoch haben die Mitglieder des Fördervereins historisch technisches Museum „Versuchsstelle Kummersdorf“ e. V. ein Besuchsprogramm zusammengestellt, das den Minister beeindruckt hat. Schließlich handelt es sich bei der Liegenschaft Kummersdorf auch nicht um einen der vielen typischen Truppenübungsplätze in Brandenburg, sondern um ein Technologiezentrum und wahrscheinlich um die vielfältigste Militärtechnikerprobungsstelle der Welt.
Susanne Köstering, Geschäftsführerin des Museumsverband Brandenburg e.V. und zugleich Leiterin der Projektgruppe DFK, stellte die Projektgruppe vor und berichtete über den Stand der Erarbeitung eines kommunalen Gesamtkonzeptes für die Nachnutzung der Liegenschaft. Schwerpunkt ist die Entwicklung eines Museumsparks, der die Auseinandersetzung mit Krieg, seiner Vorbereitung und seinen Folgen in Ausstellungen und vor allem Geländeführungen vermitteln soll.
Erstes Ziel der Rundfahrt war das sogenannte "Vereinigte Panzer- und Gewölbeziel“. Es wurde von 1884 bis 1887 errichtet und in wenigen Tagen mit 152 Granaten in Schutt und Asche gelegt. Dadurch lernten die kaiserlich-preußischen Militärs, wie man Festungen stabil baut und wie man sie am besten erobert und zerstört. Für Martin Schnittler vom Förderverein historisch technisches Museum „Versuchsstelle Kummersdorf“ e. V., ist es das beeindruckendste Bauensemble auf dem Gelände. Es steht gemeinsam mit insgesamt 160 Bauwerken der Heeresversuchsstelle Kummersdorf unter Denkmalschutz.
Zweites Ziel waren die Raketenprüfstände, wo unter anderem Wernher von Braun ab 1930/32 die ersten Flüssigkeitsraketen der Welt entwickelte und testete – die Heeresversuchsstelle Kummersdorf kann mithin als Geburtsstätte der modernen Raumfahrt bezeichnet werden.
Während der Rundreise betonten die beiden Bürgermeister, Frank Broshog (parteilos), von der Gemeinde Am Mellensee und Monika Nestler (DIE LINKE) von der Gemeinde Nuthe-Urstromtal das Interesse an einer touristischen Nachnutzung. Schließlich ist die Heeresversuchsanstalt Kummersdorf mit 2.100 ha das größte Denkmal Brandenburgs und das einzige, das zugleich Boden-, Bau- und technisches Denkmal ist. Es besitzt das Potential einer Welterbestätte nach den Richtlinien der UNESCO.
Daneben sind fast 700 Hektar der Liegenschaft ein Fauna-Flora-Habitat-(FFH)-Gebiet und damit Bestandteil eines Netzes europäischer Schutzgebiete. „Die Kummersdorfer Heide und der Breite Steinbusch stellen im zersiedelten Europa eine unverzichtbare Reserve für die Entwicklung und den Erhalt naturnaher Ökosysteme dar“, so Dr. Manfred Fechner, Leiter des Umweltamtes des Landkreises Teltow-Fläming. Frau Dr. Rita Mohr de Pérez, Leiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde, machte darauf aufmerksam, dass es hier gelungen ist, die Interessen des Naturschutzes und des Denkmalschutzes aufeinander abzustimmen.
Angesprochen wurde – wie nicht anders zu erwarten - auch das Thema Finanzierung. Das Museumsprojekt soll sich, so Frau Dr. Köstering, nicht allein durch Einnahmen von Besuchern finanzieren. Auch aus der Nutzung der Liegenschaftsfläche, z. B. durch die Verpachtung von Flächen für Solaranlagen, können Einnahmen realisiert werden. Carsten Preuß, vom BUND Brandenburg und Mitglied im Kummersdorfer Förderverein, erinnerte an den Konsensbeschluss aus dem Jahre 1996 zum Flughafen BBI. Darin hatte sich der Bund verpflichtet, sich an den Kosten für die Nachnutzung angemessen zu beteiligen.
Helmuth Markov berichtete daraufhin über den Stand der Verhandlungen mit dem Bund zur Übertragung der Liegenschaft auf das Land. Neben den besonders belasteten Flächen, die beim Bund verbleiben sollen, wird sich der Bund auch an der Finanzierung der Altlastensanierung beteiligen. „Allerdings sind wir uns mit dem Bund noch nicht darüber einig, was angemessen ist“, so Markov. Allerdings sicherte er zu, dass die Mittel, die der Bund bereitstellen wird, auch in die Liegenschaft Kummersdorf investiert werden sollen.
Hinsichtlich des geplanten Museumsparks konnte der Finanzminister keine Zusagen machen. Er begrüßte die Erarbeitung eines Gesamtkonzeptes durch die Projektgruppe. Wichtig sei, dass hierzu auch ein Finanzierungskonzept erarbeitet werden muss. „Wenn sich aus dem Finanzierungskonzept ergibt, dass sich zumindest mittelfristig der Museumspark alleine trägt, ist vieles möglich“ so der Minister zum Abschied.
Carsten Preuß
